Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unter welchen Voraussetzungen wird der Gerichtsvollzieher aktiv?

3. Was mache ich, wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür

4. Wann muss ich den Gerichtsvollzieher in die Wohnung lassen?

5. Welche Rechte habe ich, wenn der Gerichtsvollzieher in meiner Wohnung ist?

6.Welche Dinge darf der Gerichtsvollzieher nicht mitnehmen? Was ist pfändungssicher?

7. Was mache ich, wenn der Gerichtsvollzieher Sachen von Familienangehörige und Mitbewohnern gepfändet hat?

8. Zu welchen Auskünften bin ich verpflichtet?

9.Was hat es für Konsequenzen, wenn auf meinen Sachen der "Kuckuck" klebt?

10. Darf der Gerichtsvollzieher die gepfändeten Sachen gleich mitnehmen?

11. Was ist eine Taschenpfändung?

12. Welche Bedeutung hat das Pfändungsprotokoll?

13. Zusammenfassung

1. Einleitung

Einer mein kleinen Ratgeber soll Ihnen helfen, in finanzieller Not nicht den Kopf und die Hoffnung zu verlieren. Ich verstehe durchaus, dass man in schweren wirtschaftlichen Zeiten und finanziellen Nöten den Mut und die Hoffnung verlieren kann, denn auch ich habe eine solche Zeit hinter mir. Ich kenne die Verzweiflung und die Angst. In der Zeit nach dem ersten Schock habe ich nach Hilfe gesucht und diese nur schwer oder eher gar nicht gefunden. Ich saß in einem Irrgarten, bestehend aus Ämtern, Behörden und Schuldnerberatungsstellen. Und ich kann Ihnen versichern: So unterschiedlich die einzelnen Lebenssituationen auch sind, es gibt trotzdem für alle wieder einen Weg nach draußen. Aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus möchte ich Ihnen Tipps und Tricks aufzeigen, wie Sie sich verhalten sollten, wenn der Gerichtsvollzieher bei Ihnen klingelt. Ich möchte Ihnen zeigen, welchen Weg Sie gehen können, um aus der Schuldenfalle herauszukommen.

Finanzieller Ruin zieht meist nicht allein den Verlust der Existenz, des Heimes (Haus, Wohnung, sämtliche Arten von Immobilien) und des Fahrzeuges nach sich. Nicht nur Materielles geht den Bach runter. Sehr oft zerbrechen ganze Familien daran, so wie in meinem Fall. Die Zwangsversteigerung von Immobilien, Schreiben, Mahnungen und Androhungen, Besuche von Gerichtsvollziehern und Kontosperrungen sind nur einige der möglichen Abläufe, die eine Verschuldung mit sich bringt. Ein immenser und extremer psychologischer Druck entsteht, der oft auch psychosomatische Erkrankungen nach sich zieht. Es gehören schon eine Menge Mut und Ehrgeiz dazu, wieder an dem kostbaren Leben teilzunehmen, zu kämpfen und der Schuldenfalle zu entkommen. Ich weiß aber auch, wie schwer und verwirrend das alles sein kann. Denn mit negativen Schufa-Auskünften ist man für viele Institutionen, aber zum Teil auch für Vermieter und Arbeitgebern abgestempelt.

Unabhängig davon, welche Gründe Sie in Ihre jetzige Situation gebracht haben, ob andere daran schuld waren oder Ihnen einfach selbst Fehler unterlaufen sind; jetzt sollte für Sie der schnellste Weg aus dem finanziellen Ruin und dem damit verbundenen gesellschaftlichen Abseits an erster Stelle stehen. Überlassen Sie auch in dieser schweren Situation auf keinen Fall etwas dem Zufall. Verstecken Sie sich nicht. Warten Sie nicht untätig auf das, was da kommen mag. Sehr oft kann man doch noch einiges retten und Schadensbegrenzung betreiben.

Ebenso ist es auch wirklich nicht wichtig, welcher Nation oder welcher Religion Sie angehören. Wer in Deutschland lebt und eine gemeldete Wohnadresse nachweisen kann, hat die gleichen Rechte und einen Anspruch auf eine schnelle und unbürokratische Hilfe. Doch ich musste die Erfahrung machen, dass die Realität nicht immer dem entspricht, was angedacht ist oder erwartet wird.

Lange war ich auf der Suche nach Hilfe, denn fachliche und kompetente Hilfsangebote fehlen deutschlandweit. Die öffentlichen Schuldnerberatungsstellen sind total hoffnungslos überlastet und zum Teil mit Mitarbeitern besetzt, die keine fachlichen Ratschläge erteilen können.

Andere öffentliche oder kirchliche Stellen sind vielleicht ein erster Anlaufpunkt, bieten Ihnen als Schuldner aber nicht die wirklich benötigte Hilfe. Das Wenige, was diese Stellen für Sie tun, kostet für Sie als Hilfesuchender in einer finanziellen Notsituation ein Vermögen. Abgesehen davon wird der Weg aus den Schulden Ihnen mehr als nur finanzielle und zeitliche Aufwendung abverlangen, denn ich weiß, dass Sie auch menschliche Hilfe und Zeit suchen, vielleicht auch Beistand. Sie müssen zum großen Teil auch bei den öffentlichen Hilfsangeboten für Aufwendungen und das Einreichen von Anträgen bei den zuständigen Gerichten bezahlen, obwohl diese Ihnen nicht viel weiterhelfen. Was es für Sie nicht geben wird, ist Verständnis und menschliche Kompetenz kombiniert mit schneller Hilfe.

Ebenso wie Sie als Hilfesuchender den Beratungshilfeschein bei Ihrem zuständigen Amtsgericht selbst beantragen können und dieser genauso vom Steuerzahler bezahlt wird wie die Angestellten in den öffentlichen und Kirchlichen Schuldnerberatungs-stellen.

Viele Hilfesuchende empfinden das gesamte System als reine zeitliche und finanzielle Verschwendung (Abzocke), weniger als Hilfe. Es ist von Hilfesuchenden auch schon der Ausdruck "Verarschung" gefallen. In jedem Fall ist es für viele Menschen in Ihrer Situation eine reine Zeitverschwendung, mit seinem Anliegen zu den Schuldnerberatungsstellen zu gehen. Sowohl kirchliche als auch staatliche Stellen sind zum Teil nicht kompetent, dafür sehr unmenschlich, ohne Verständnis für Integration schwache Menschen Ihre persönliche Situation und diskriminierend.


2. Unter welchen Voraussetzungen wird der Gerichtsvollzieher aktiv?

Sofern ein Gläubiger einen vollstreckbaren Titel (darunter versteht man eine rechtliche Anordnung zur Zahlung, also einen Vollstreckungsbescheid) oder andere gerichtliche Urkunden gegen Sie erlangt und einen Vollstreckungsauftrag erteilt hat, wird der Gerichtsvollzieher aktiv und sucht Sie persönlich auf.

Durch die Vorlage solcher gerichtlicher Urkunden oder Zwangsvollstreckungsbescheide kann der Gläubiger einen Gerichtsvollzieher damit beauftragen, die Herausgabe von Gegenständen zu vollstrecken oder Geld (Forderungen gegen Sie) beizutreiben. Die entstehenden Kosten sind vom Gläubiger vorzustrecken, bis der Gerichtsvollzieher Sie bei Ihnen wieder eintreibt. Also letztendlich zahlen Sie selbst die Kosten für den Gerichtsvollzieher.

Manchmal kündigt der Gerichtsvollzieher seinen Besuch schriftlich an. Meistens wird er aber unangekündigt bei Ihnen vorbeikommen. Sollten Sie zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause sein, wird er Ihnen die Mitteilung eines schriftlichen Termins, den er meist innerhalb der nächsten Tage ansetzt, hinterlassen. An dieser Stelle haben Sie die Möglichkeit, den Gerichtsvollzieher anzurufen, sollte der 2. Termin für Sie ungünstig liegen, weil Sie vielleicht arbeiten müssen oder andere nicht aufschiebbare Termine haben. Wer in diesem Fall in einem vernünftigen Ton höflich anfragt, wird mit Sicherheit eine Terminverschiebung erreichen.

Mitunter ist es auch möglich, mit dem Gerichtsvollzieher ein Treffen in seinem Büro zu vereinbaren. Dies ist häufig der Fall, wenn Sie als Schuldner zur Zahlung bereit sind. In diesem Fall gibt es gerade bei kleineren Summen oftmals auch die Möglichkeit, mit dem Gerichtsvollzieher selbst eine Art Ratenzahlung zu vereinbaren (etwa zwei Monatsraten), die Sie dann über sein Geschäftskonto begleichen oder ihm bar im Büro vorbei bringen können.

Generell kann man aber sagen, ein Gerichtsvollzieher bereits ab dem ersten sogenannten Schuldpfennig aktiv werden muss, sofern der Gläubiger bei Gericht einen Titel oder eine gerichtliche Urkunde gegen Sie erwirkt und einen Vollstreckungsauftrag erteilt.


3. Was mache ich, wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht?

Zunächst einmal: Geraten Sie nicht in Panik, wenn der Gerichtsvollzieher unangemeldet bei Ihnen klingelt. So unangenehm es sich für Sie als Schuldner anfühlt; den Kopf in den Sand stecken oder gar nicht öffnen bringt Sie nicht weiter. Der Gerichtsvollzieher wird wiederkommen, wenn er Sie nicht zu Hause antrifft. In diesem Fall hinterlässt er Ihnen eine Nachricht und informiert Sie darüber, dass er an diesem Tag vergeblich versucht hat, Sie anzutreffen. Auf dieser Nachricht finden Sie dann den neuen Termin mit Uhrzeit, für welchen der Gerichtsvollzieher seinen nächsten Besuch ankündigt. Das birgt für Sie den Vorteil, dass Sie sich ausführlich über die Forderung informieren und vielleicht schon vorsorgen können, indem Sie mit dem Gerichtsvollzieher oder auch einer Schuldnerberatung Kontakt aufnehmen. Bei einer Schuldnerberatungsstelle, wie zum Beispiel der Insolvenz- und Schuldnerberatung is-inso.de, könnten Sie mit den Fachleuten die beste weitere Vorgehensweise besprechen.

Wenn der Gerichtsvollzieher bei Ihnen unangemeldet erscheint, haben Sie allerdings die Möglichkeit, ihm den Zutritt zur Wohnung zur verwehren. Er wird Ihnen auch in diesem Fall einen neuen Termin mitteilen. Doch grundsätzlich rate ich Ihnen, diese Möglichkeit nicht unbedingt auszureizen, denn der Gerichtsvollzieher wird wiederkommen, unter Umständen mit der Polizei, mit deren Hilfe er sich Zutritt zu Ihrer Wohnung verschafft, auch ohne Ihre Anwesenheit. Hierzu muss er jedoch zunächst einen gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss erwirken. Auch die so entstehenden Kosten werden Sie tragen müssen: Es wird also teuer für Sie!

Sprechen Sie offen mit dem Gerichtsvollzieher, sofern Sie nicht von Ihrem Recht Gebrauch machen, die Auskunft zu verweigern. Oft besteht Bereitschaft, mit Ihnen eine Ratenzahlung zu vereinbaren, wenn Sie Zahlungsbereitschaft zeigen. In diesem Fall wird der Gerichtsvollzieher die erste Rate an sich nehmen und die nachfolgenden Raten vereinbaren und überwachen. Sollte es sich um große Schuldsummen handeln und bei Ihnen ist nichts Wertvolles oder Pfändbares vorhanden sein, wird er Ihnen empfehlen, nochmals mit dem Gläubiger, eventuell auch mit einer guten und geeigneten Schuldnerberatung Kontakt aufzunehmen, und um eine Stundung oder Ratenzahlung zu bitten. Doch solange die Schuld nicht beglichen ist, wird der Titel oder die gerichtliche Urkunde bestehen bleiben, die Pfändung ruht also nur und kann jederzeit wieder aufleben, wenn die vereinbarten Zahlungen nicht erbracht werden.

Lassen Sie sich vom Gerichtsvollzieher den Dienstausweis zeigen, bevor Sie ihn in Ihre Wohnung lassen. So können Sie sicherstellen, dass Sie keinen Unbefugten hereinbitten. Zuweilen erwecken auch Mitarbeiter von Inkasso- Büros den Anschein, Gerichtsvollzieher zu sein, und streben damit ein unbefugtes Betreten Ihrer Wohnung an.

Während des Gespräches mit dem Gerichtsvollzieher lassen Sie sich den vollstreckbaren Titel (das notarielle Schuldanerkenntnis, das vollstreckbare Urteil, den Vollstreckungsbescheid) zeigen. Es muss Ihnen in schriftlicher Form vorgelegt werden. Auf diesem Schriftstück müssen die Schuldsumme, das Entstehen der Forderung und der Gläubiger (mit Anschrift), der den Titel gegen Sie erwirkt hat, erkennbar sein.


4. Wann muss ich den Gerichtsvollzieher in die Wohnung lassen?

Grundsätzlich können Sie dem Gerichtsvollzieher den Zutritt zur Ihrer Wohnung verweigern. Auch Familienangehörige müssen ihn nicht hereinlassen, wenn Sie nicht zu Hause oder nicht damit einverstanden sind. Allerdings müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass der Gerichtsvollzieher sich, sofern vom Gläubiger beantragt, einen Durchsuchungsbeschluss bei Gericht besorgen wird, der ihm dann beim nächsten Besuch den Zutritt zur Wohnung oder zum Haus verschafft. Wenn erforderlich wird er im Beisein der Polizei und mit Zeugen die Wohnung öffnen lassen und so Zutritt erlangen. Die Kosten für den Polizeieinsatz sowie die für den Schlosser kommen zur Schuldsumme und den Gerichtskosten hinzu: Es wird also teuer für Sie!

Es reicht auch nicht, wenn Sie den Gerichtsvollzieher im Vorfeld des angekündigten Besuches anschreiben, um ihm zu versichern, dass Sie keine Wertgegenstände besitzen.

Allerdings ist es so, dass der Gerichtsvollzieher beim ersten Besuch selten bereits den Durchsuchungsbeschluss bei sich trägt. In dem Falle darf der Gerichtsvollzieher ohne Ihre Genehmigung keine Schränke oder Behältnisse durchsuchen, wenn Sie ihn in Ihre Wohnung gelassen haben.

Sollten Sie ihn bei seinem ersten Besuch nicht in die Wohnung lassen, wird er, sofern vom Gläubiger beantragt, bei Gericht einen Durchsuchungsbeschluss erwirken, was Ihnen ca. eine Woche Zeit bis zum nächsten Termin verschafft. Nutzen Sie diese Zeit, um sich mit einer Schuldnerberatungsstelle in Verbindung zu setzen und holen Sie sich schnell fachmännische Hilfe.



5. Welche Rechte habe ich, wenn der Gerichtsvollzieher in meiner Wohnung ist?

Wie schon gesagt, haben Sie das Recht, dem Gerichtsvollzieher den Zutritt zu Ihrer Wohnung zu verweigern, sofern er nicht mit einem Durchsuchungsbeschluss bei Ihnen auftaucht. Ob und wie weit das Sinn macht, müssen Sie selbst entscheiden, denn es ist maximal ein kurzer Aufschub, denn er wird wiederkommen und dann den Durchsuchungsbeschluss dabei haben.

Sie haben das Recht, sich den Dienstausweis sowie das vollstreckbare Urteil zeigen zu lassen.

Des Weiteren können Sie jegliche Aussage verweigern, Sie sind nicht dazu verpflichtet, Angaben zu machen. Wenn der Gerichtsvollzieher allerdings wegen einer eidesstattlichen Versicherung kommt, dann müssen Sie natürlich genaue Angaben machen.

Wenn bei Ihnen Bargeld gepfändet wird, haben Sie das Recht, diesbezüglich die Pfändungsfreigrenzen genau errechnen zu lassen. Im Falle von Bargeld gibt es nämlich einen nicht-pfändbaren Teil, den Sie behalten dürfen. Für gepfändetes Bargeld sollten Sie sich in jedem Fall eine Quittung aushändigen lassen. Dies gilt übrigens auch für die erste Rate, die Sie dem Gerichtsvollzieher möglicherweise bar gegeben haben.

Sollten Sie in der Lage sein, die offene Forderung gleich mit einer Zahlung bei dem Gerichtsvollzieher begleichen zu können, so lassen Sie sich in dem Fall den vollstreckbaren Titel gleich vor Ort aushändigen. Sie ohnehin haben das Recht, den Titel nach Bezahlung der Schuldsumme und der Kosten für Ihre Unterlagen zu erhalten.

Wenn der Gerichtsvollzieher mit der Aufnahme aller Details bei Ihnen fertig ist, also seinen Besuch beendet, muss er Ihnen ein Pfändungsprotokoll aushändigen. Nach dem Besuch des Gerichtsvollziehers haben Sie das Recht, die dessen Vorgehensweise bei Gericht überprüfen zu lassen, wenn Sie der Meinung sind, dass etwas nicht gemäß der gesetzlichen Vorschriften abgelaufen ist.

Generell macht es Sinn, wenn Sie Ihre Nachweise über Lohnzahlungen, Arbeitslosengeld oder andere Sozialleistungen bereitliegen haben. So ersparen Sie sich langes Suchen in Gegenwart des Gerichtsvollziehers.


6.Welche Dinge darf der Gerichtsvollzieher nicht mitnehmen? Was ist pfändungssicher?

Hierfür gibt es klare Regeln. Nicht alles darf vom Gerichtsvollzieher gepfändet oder gar mitgenommen werden.

Gegenstände, welche Sie zu einer normalen und bescheidenen Lebensführung benötigen, sind pfändungssicher. Ebenso Dinge, welche Sie für Ihre Erwerbstätigkeit benötigen. Dies kann durchaus auch der Computer oder das Auto sein. Bei der Sachpfändung sind auch einfache Dinge pfändungssicher, wenn deren Erlös in keinem Verhältnis zu den Kosten der Pfändung steht. Wenn Sie also einen alten DVD-Player Ihr besitzen, kann es sein, dass er pfändungssicher ist, da er vielleicht nichts mehr wert ist und somit nicht zur Abtragung Ihrer Schulden oder zur Begleichung der Kosten beitragen kann.

Bei der Pfändung von Fernsehgeräten scheiden sich die Geister. Es gibt Urteile, in denen ein Fernseher heutzutage zur einfachen Lebensführung gezählt wird und somit nicht pfändbar ist. Andere Urteile hingegen besagen, dass es durchaus reicht, wenn der Schuldner noch ein Radio hat, bei welchem er mindestens einen Sender empfangen kann. Hier ist es vielleicht sinnvoll, sich mit der Schuldnerberatungsstelle, bezüglich der jeweiligen Rechtsprechung in den einzelnen Bundesländern kurzzuschließen. Wenn Sie allerdings nachweislich mehr als einen Fernseher Ihr Eigen nennen, können Sie davon ausgehen, dass mindestens einer davon pfändbar ist.

Wenn Sie Bargeld im Haus haben, etwa weil Sie kurz vorher Ihren Lohn oder Ihre Sozialleistungen vom Konto abgehoben haben, darf der Gerichtsvollzieher nur den Teil pfänden, der laut Pfändungstabelle pfändbar ist. Es steht Ihnen ein sogenannter Selbsterhalt zu, der nicht pfändbar ist. Allerdings ist hier ein wenig der Tag entscheidend, an dem der Gerichtsvollzieher kommt. Denn der unpfändbare Anteil wird bis zur nächsten Lohnzahlung oder Zahlung errechnet.

Gepfändetes Geld oder andere Wertsachen, wie zum Beispiel Schmuck oder teure Briefmarkensammlungen und dergleichen, darf der Gerichtsvollzieher gleich mitnehmen. Dieses muss alles im Pfändungsprotokoll festgehalten werden.

Andere Sachen und Gegenstände darf der Gerichtsvollzieher zwar pfänden, sofern sie nicht zur einfachen Lebensführung gehören, aber sie verbleiben noch in der Wohnung. Es sei denn, der Gerichtsvollzieher hat den begründeten Verdacht, dass Sie diesen Gegenstand nach seinem Weggang verkaufen oder anderweitig wegschaffen wollen.

Dinge, auf welche Sie zum Beispiel noch Raten abzuzahlen haben, darf der GV auch pfänden. Allerdings müssen Sie ihn in dem Fall darauf hinweisen, denn der Gläubiger muss in dem Fall zuerst die Restforderung begleichen, bevor er den gepfändeten Gegenstand weiter veräußern darf.


7. Was mache ich, wenn der Gerichtsvollzieher Sachen von Familienangehörigen und Mitbewohnern gepfändet hat?

Wenn bei Ihnen der Gerichtsvollzieher wegen eines vollstreckbaren Titels also wegen eines gerichtlichen Pfändungsbeschlusses vorbeikommt, so darf er nicht alles pfänden, was sich bei Ihnen in der Wohnung befindet. Wichtig an der Stelle ist, dass Sie den Gerichtsvollzieher darauf hinweisen, welche Dinge und Gegenstände Ihnen nicht gehören. Und das müssen Sie gleich im Zuge seines Besuches tun, nicht erst im Anschluss. Der Gerichtsvollzieher muss das ebenso in das Pfändungsprotokoll mit aufnehmen wie die gepfändeten Gegenstände oder Bargeld.

Generell am besten ist es, wenn Sie entsprechende Kaufbelege und Quittungen vorlegen können, um unnötiges Nachfragen nach den Eigentumsverhältnissen zu umgehen. Aber auch, um den Gerichtsvollzieher ohne Probleme von der Richtigkeit Ihrer Angaben überzeugen zu können.

Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, wie gerade ein unverhoffter Besuch seitens des Gerichtsvollziehers zu großer Aufregung führen kann. Dann übersieht man leicht, dass zum Beispiel die Videokamera des Mitbewohners oder des Ehegatten, die gerade noch offen auf dem Schreibtisch steht, vom Gerichtsvollzieher gepfändet wird. Und man denkt nicht daran, dass dieser Gegenstand nicht der eigene ist. In diesem Fall muss dann unverzüglich der wahre Eigentümer des gepfändeten Gegenstandes aktiv werden. Mit den entsprechenden Nachweisen, zum Beispiel mit der Quittung oder dem Kaufbeleg, kann der Eigentümer schriftlich beim Gerichtsvollzieher die Herausgabe bzw. Freigabe der gepfändeten Sache beantragen. In diesem Schriftstück sollte hierfür eine Frist von z. B. einer Woche gesetzt werden.

Reagiert der Gerichtsvollzieher darauf nicht, verbleiben Ihnen und dem tatsächlichen Eigentümer der gepfändeten Sache nur wenig Zeit und der Weg zum Gericht selbst. Beim zuständigen Amtsgericht muss dann umgehend eine Vollstreckungserinnerung (Beschwerde) oder eine Drittwiderspruchsklage eingereicht werden, damit der Gegenstand nicht in die nächste Versteigerung gerät und für den wahren Eigentümer verloren ist.

Sollten Sie sich mit dieser Situation überfordert fühlen, dann wenden Sie sich an die IS-Hilfe- Insolvenz- und Schuldnerberatungsstelle in Ihrer Nähe und holen Sie sich dort Hilfe. Die kompetenten Mitarbeiter helfen Ihnen auch in Ihrer Muttersprache weiter und/oder unterstützen Sie beim Ausfüllen der Unterlagen für die Vollstreckungserinnerung oder für die Drittwiderspruchsklage bei Gericht.


8. Zu welchen Auskünften bin ich verpflichtet?

Sofern der Gerichtsvollzieher nicht wegen der Abnahme einer eidesstattlichen Versicherung bei Ihnen klingelt, sind Sie zu keinerlei Auskünften ihm gegenüber verpflichtet. Das betrifft sowohl Auskünfte über Ihren Arbeitsplatz, die Höhe Ihres Einkommens, Ihre Konten oder Wertgegenstände, sofern Sie nicht offen in Ihrem Wohnzimmer stehen oder als teurer Pelz an Ihrer Garderobe hängen.

Doch ein totales Schweigen Ihrerseits zu bestimmten Fragen des Gerichtsvollziehers kommt meist nicht so gut an. Es ist wie überall: Ein gesundes Maß an Offenheit schadet nicht und trifft sehr oft auf mehr Verständnis beim Gerichtsvollzieher, als Sie vielleicht annehmen. Wenn Sie also kooperieren, sich einsichtig und zahlungswillig zeigen, können Sie sich damit vielleicht auch so manche Tür öffnen. Zahlungswillig bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass Sie auch uneingeschränkt zahlungsfähig sind. Aber Ihre Offenheit wird Ihnen honoriert, vielleicht in dem Maße, dass der Gerichtsvollzieher auf eine Ratenzahlung eingeht. Mit einer Ratenzahlung verschaffen Sie sich Zeit und nehmen etwas von dem Druck, der in einer solchen Situation auf Ihnen lastet.

Zeit, welche Sie nutzen können, um bei einer Schuldnerberatungsstelle vorstellig zu werden und Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Zum Beispiel können Sie mit der IS-Schuldenfrei & Coaching in Ihrer Nähe, die Sie unter www.is-schuldenfrei.de finden, einen sogenannten Finanzierungsplan erstellen, der Ihnen hilft, aus der persönlichen Schuldenfalle herauszukommen und bald schuldenfrei sein zu können. Manchmal ist es gar nicht schlecht, nicht alles mit sich allein abmachen zu müssen. Es nimmt Ihnen unheimlich viel von dem psychischen Druck, der auf Ihnen lastet, und hilft Ihnen beim Blick in eine gute und positive Zukunft.



9.Was hat es für Konsequenzen, wenn auf meinen Sachen der "Kuckuck" klebt?

Der sogenannte "Kuckuck" ist das amtliche Pfandsiegel, auf welchem das zuständige Amtsgericht vermerkt ist, mit dessen Vollstreckungstitel der Gerichtsvollzieher beauftragt wurde, gegen Sie tätig zu werden.

Doch keine Panik: Nur weil der Gerichtsvollzieher sich zu einem Besuch bei Ihnen angekündigt hat, wird er nicht automatisch Ihre Möbel und technischen Gegenstände in der ganzen Wohnung mit diesem Pfandsiegel versehen. Zuerst einmal wird er in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen klären, ob Sie in der Lage sind, die Schuldsumme zu begleichen, eventuell im Rahmen einer Ratenzahlung. Erst wenn das Gespräch aufzeigt, dass Sie dazu nicht in der Lage sind, wird er versuchen, etwas zu pfänden.

Wenn der Gerichtsvollzieher also bei Ihnen in der Wohnung oder im Haus ist, wird er sich nach wertvollen Gegenständen umschauen, die nicht zur einfachen Lebensführung gehören. Im Allgemeinen wird es sich dabei um Dinge wie wertvolle Uhren und Gemälde, antike Möbelstücke oder auch den 2. Fernseher drehen. Dabei muss der Gerichtsvollzieher bedenken, ob es sich bei diesen Wertgegenständen um Dinge handelt, die in einem Verhältnis zur Forderung stehen. Wenn es also in Ihrem Haushalt als pfändbaren Wertgegenstand nur einen 2. Fernseher gibt, steht dessen Wert plus den Kosten für eine Versteigerung nicht unbedingt im richtigen Verhältnis zu einer geforderten 4- oder 5-stelligen Schuldsumme. Oder anders ausgedrückt: Die Verwertung der gepfändeten Gegenstände muss im richtigen Verhältnis zum Wert stehen.

Ist auf einem oder mehreren Gegenständen der sogenannte "Kuckuck" durch den Gerichtsvollzieher aufgebracht worden, dürfen Sie diese Pfandsiegel weder entfernen noch beschädigen. Denn wie der amtliche Name schon sagt, handelt es sich hierbei um ein Siegel, dessen Beschädigung als Siegelbruch geahndet und bestraft wird. Die so gekennzeichneten Gegenstände dürfen von Ihnen nun nicht mehr verkauft, verliehen oder anderweitig verbracht werden.



10. Darf der Gerichtsvollzieher die gepfändeten Sachen gleich mitnehmen?

Bei seinem Besuch wird der Gerichtsvollzieher nicht unbedingt gleich alle gepfändeten Gegenstände und Sachen mitnehmen.

In der Regel ist es so, dass er Wertsachen, wie zum Beispiel Schmuck, teure Sammlungen von Briefmarken, wertvolle Kleidungsstücke, wie beispielsweise Pelzmäntel, oder auch Bargeld gleich mitnimmt. Für alle anderen pfändbaren Sachen und Gegenstände hält er das amtliche Pfandsiegel, den sogenannten "Kuckuck" bereit und markiert so die Dinge, die im Zuge einer Versteigerung zu Geld gemacht werden sollen, damit die Schuldsumme beglichen werden kann.

Also auch hier nicht sofort in Panik geraten, wenn sich der Gerichtsvollzieher bei Ihnen ankündigt. Wie vorab schon beschrieben, darf der Gerichtsvollzieher nur die Dinge pfänden, die eine einfache Lebensführung übersteigen würden, und/oder die nicht für die Erwerbstätigkeit gebraucht werden. Bewegliche große Teile, welche die normale Lebensführung im Wert übersteigen und somit pfändbar sind, verbleiben aber in der Regel erst einmal in der Wohnung, allerdings mit einem amtlichen Pfandsiegel versehen.

Lassen Sie vielleicht zu hochwertige Dinge nicht offen stehen. Denn meist hat der Gerichtsvollzieher beim ersten Besuch keinen Durchsuchungsbeschluss dabei, sodass er beispielsweise nicht in die Schränke schauen darf. Er hat in dem Fall ohne Durchsuchungsbeschluss nur die Möglichkeit, sich in Ihrer Wohnung allgemein umzuschauen, so auf dem Weg zum Wohnzimmertisch, an welchem Sie vielleicht das Gespräch mit ihm führen möchten.


11. Was ist eine Taschenpfändung?

Der Begriff spricht an sich schon für sich. Gemeint ist damit nichts anderes als eine körperliche Durchsuchung im Rahmen einer Zwangsvollstreckung. Wenn also der Gerichtsvollzieher Sie nicht in Ihrer Wohnung antrifft, sondern zum Beispiel auf der Straße, und er den begründeten Verdacht hat, dass es in Ihren Taschen Wertvolles und/oder Bargeld zu pfänden gibt, so hat er durchaus das Recht, eine Taschenpfändung bei Ihnen vorzunehmen, sofern es einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss hierfür gibt. Hauptsächlich wird eine Taschenpfändung dann stattfinden, wenn der Gerichtsvollzieher Sie zum wiederholten Male nicht in der Wohnung antrifft, Sie ihm den Zutritt zur Wohnung verwehren und er Sie dann auf der Straße trifft. Ebenso ist die Taschenpfändung in Ihren Räumen möglich, wenn der begründete Verdacht besteht, dass Sie in Ihrer Kleidung bei der Hausdurchsuchung Dinge oder Wertgegenstände verbergen, um diese so der Zwangsvollstreckung zu entziehen.

Bei weiblichen Schuldnern muss vom Gerichtsvollzieher sichergestellt werden, dass eine weibliche Hilfsperson diese Durchsuchung vornimmt. Bei männlichen Schuldnern und einer Gerichtsvollzieherin gilt dann umgekehrt Gleiches.

Durchsucht werden bei einer Taschenpfändung die zu diesem Zeitpunkt getragene Kleidung und mitgeführte Taschen. Diese Maßnahme stellt allerdings eine eher seltene Ausnahmeregelung dar. Im Vergleich zur eventuell angesetzten Durchsuchung Ihrer Wohnung handelt es sich bei der Taschenpfändung um einen stärkeren Eingriff in Ihre Rechte als Schuldners und Ihre allgemeinen Persönlichkeitsrechte gem Art. 1 Grundgesetz.

Wie bereits vorher erwähnt, macht es generell wenig Sinn, sich der Angelegenheit der Zwangsvollstreckung oder dem Besuch des Gerichtsvollziehers zu entziehen. Solche Aktionen werden Ihnen nicht aus der Schuldenfalle heraushelfen oder gar eine Pfändung abwenden. Falls Sie also in Ihrer finanziellen Not doch noch Wertgegenstände besitzen, suchen Sie einen anderen Weg. Vielleicht sollten Sie in dem Falle auch gar nicht erst darauf warten, bis der Gerichtsvollzieher bei Ihnen erscheint. Suchen Sie vielmehr gleich zu Beginn dieser Notsituation die Hilfe bei Schuldnerberatungsstellen. Werden Sie selbst aktiv, bevor der Gerichtsvollzieher aktiv wird.


12. Welche Bedeutung hat das Pfändungsprotokoll?

Der Gerichtsvollzieher muss bei jeder Vollstreckungshandlung, also auch im Fall des Besuches bei Ihnen in Ihrer Wohnung oder aber auch in Ihrem Geschäft, ein sogenanntes Pfändungsprotokoll anfertigen.

Darin werden alle Dinge festgehalten, über die gesprochen wurde. Sei es Ihre Erklärung zu eventuell stattgefundenem Schriftverkehr mit dem Gläubiger, in welchem Sie vielleicht schon im Vorfeld nach einer Einigung gesucht haben oder aber Ihre Einwände, weil bestimmte Dinge, die gepfändet werden sollen, nicht Ihnen gehören.

Ebenso wird in diesem Protokoll vom Gerichtsvollzieher festgehalten, welche Wertgegenstände oder Bargeld in welcher Höhe er bei Ihnen vorgefunden und gepfändet hat.

Wenn er bei Ihnen nichts pfänden kann, wird er auch das in dem Pfändungsprotokoll festhalten. Denn es ist im Grunde genommen nichts anderes als ein amtliches Dokument zur Beweissicherung. Der Gerichtsvollzieher ist verpflichtet, dieses Protokoll gewissenhaft auszufüllen.

Die gesetzlichen Vorschriften besagen, dass auch Sie als Schuldner das Pfändungsprotokoll unterzeichnen sollten. Doch verpflichtet sind Sie nicht.

Allerdings spricht nichts gegen Ihre Unterschrift, wenn Sie beispielsweise nach Durchlesen sicher sind, dass alle Punkte, vor allem Ihre Erklärungen und die von Dritten, vom Gerichtsvollzieher korrekt erfasst wurden. Kontrollieren Sie, bevor Sie Ihre Unterschrift unter dieses amtliche Dokument setzen, alle angeführten einzelnen Punkte. Lassen Sie sich also Zeit beim Durchlesen. Sollten Sie vielleicht, ob vor lauter Aufregung oder aus mangelnden Sprachkenntnissen heraus, nicht alles lesen oder verstehen können, was da angeführt ist, fragen Sie zum Beispiel ein anwesendes Familienmitglied, ob es Ihnen dabei hilft.

Auch der Gerichtsvollzieher wird Ihnen gern behilflich sein. Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Und erst dann unterschreiben Sie das Pfändungsprotokoll.

Aus welchem Grund auch immer Sie dem Gerichtsvollzieher diese Unterschrift nicht geben wollen; auch das Verweigern der Unterschrift wird der Gerichtsvollzieher mit in das Protokoll aufnehmen.



13. Zusammenfassung

Ich habe es schon mehrmals erwähnt: So unangenehm ein Besuch des Gerichtsvollziehers auch für Sie ist, bleiben Sie ruhig und stecken Sie nicht den Kopf in den Sand. Stellen Sie sich dieser sehr unangenehmen Situation und meistern Sie diese.

Wenn Sie wissen, dass Ihnen ein solcher Besuch bevorsteht, suchen Sie Hilfe bei Schuldnerberatungsstellen.

Verstecken Sie sich nicht, denn solche Aktionen bringen Ihnen nur einen minimalen Aufschub, aber noch keinen Ausweg aus der Misere.

Wenn der Gerichtsvollzieher klingelt, öffnen Sie ihm die Tür und bitten Sie ihn herein. Und bedenken Sie: Auch er tut nur seine Pflicht. Oftmals versteht er Ihre persönliche Situation besser als Sie vielleicht denken.

Vertrauen Sie sich eventuell guten Freunden oder Mitgliedern aus Ihrer Familie an. Oft kann man auf diesem Weg gemeinsam einen gangbaren Weg finden, um aus der Schuldenfalle herauszukommen.

Haben Sie keine Angst! Es gibt für alles eine Lösung!

Hand drauf! Das verspreche ich Ihnen!